Rückblick auf die #icmbeyond20

25. Februar 2020 icmbeyond20

Am 11. und 12. Februar fand am Campus Baden der PH Niederösterreich wieder die Konferenz Inverted Classroom and beyond statt (siehe auch diese Medienaussendung). Eine Besonderheit ab der diesjährigen Ausgabe dieser über den deutschen Sprachraum hinaus anerkannten Konferenz: Es gibt nun ein gut aufgestelltes Organisationskomitee, das von mehreren Hochschulen mitgetragen wird. Es handelt sich dabei um den aktuellen Gastgeber, die PH Niederösterreich, die FH St. Pölten, die Universität Paderborn, der PH Nordwestschweiz FHNW, der HS Osnabrück und der Universität Duisburg-Essen in der Person von Josef Buchner.

Trotz Sturmtief Sabine hatten es an die 100 Personen bis nach Baden geschafft und hatten vielfältige Möglichkeiten, Details verschiedenster Beispiele für die Umsetzung des Inverted Classroom Modells (Anm.: der Begriff Flipped Classroom kann hier synonym verwendet werden) zu erleben sowie ebenso neue Ideen und Handlungsoptionen für dieses innovative didaktische Modell gemeinsam (weiter) zu entwickeln. Die Vielfalt der Beiträge, die nochmals deutlich zeigt, dass das ICM für alle Fachrichtungen und Formate von Lehrveranstaltungen wertvolle Impulse liefern kann, schlägt sich auch im Tagungsband (hier online) nieder.

Hier auch noch einige Bilder von der Konferenz.

Hier nun ein Einblick in einige Beiträge der Konferenz (Mitarbeit: C. Freisleben, C. Berger, W. Gruber, J. Buchner) // cc_by_icmbeyond20:


Flipped Learning braucht Assessment

Am Beginn stand eine Keynote mit der finnischen Flipped-Classroom Mathematiklehrerin Marika Toivola (hier die Aufzeichnung, sowie Marikas persönliche Zusammenfassung). Sie kritisierte zunächst eine leider nach wie vor viel zu oft tradierte Praxis, in der Lehrende ihren Lehrenden bei der Arbeit mehr oder weniger interessiert zusehen um dann zu einem gegeben Zeitpunkt auswendig gelerntes Wissen in einen Test auszukotzen (sie sagte „vomited“ und as meint genau das…). Summative Prüfungen seien hier oft die einzig eingesetzte Form und diese würde nur sehr bedingt zu nachhaltigen Lerneffekten beitragen. Sie bezog sich dann auf Analysen des renommierten Bildungsforschers John Hattie (mehr), der wie ie eine lernendenzentrierte Vorgangsweise einfordert.

Flipped Classroom hätte das Potential, die Atmosphäre in Klassenzimmern und Seminarräumen von Hochschulen transformieren zu können. Zwei wesentliche Faktoren sind dabei die Förderung von selbstständigem Lernen sowie die intensive Zusammenarbeit in Form von Peer Learning in Tandems, Triaden und Kleingruppen. Toivolas Beitrag ist dazu u. a., dass sie gemeinsam mit einer Kollegin zehn umfassende Lernunterlagen zu Mathematik als Open Educational Ressources produziert hat. Lernende werden dabei gefördert, in Lernprozessen stark selbstverantwortlich zu agieren – eingesetzt wird hier das englische Wort „ownership“ (eigentlich Eigentumsrecht), wobei dabei ebenso die gegenseitige Rückmeldung von Lernenden entscheidend wären („co regulation“), zu der auch u. a. das Überprüfen geleisteter Lernschritte gehört.

Toivola schließt sich der im Zusammenhang mit dem ICM immer wieder aufgegriffenen Forderung an, Prüfungen formativ, also als kontinuierlichen Lernprozess zu gestalten (siehe dazu diese Literatur von Black & William, 2009). Wobei eben Peer Assessment eine zentrale Rolle spielen müsste, eine Fähigkeit, die Lernende schrittweise weiterentwickeln können, auch als eine Schlüsselqualifikation, die im späteren Leben in allen Feldern sehr gefragt ist. Toivola setzt u. a. eine Variante ein, bei der sie fehlerhafte Antworten bei Tests ankreuzt, ohne sie zu korrigieren. Die Lernenden setzen dann ein Self-Assessment ein und müssen sich für ene Weise entscheiden, wie sie zu den korrekten Antworten kommen: Durch weitere Auseinandersetzung mit Arbeitsbüchern oder durch Zusammenarbeit mit anderen Lernenden. Daran schließen Einzelgespräche an, in denen die Lernenden ihre Wahl argumentieren und reflektieren sowie daraus nötige weitere Schritte ableiten.

Eine Philosophie, die in dieser Lernform wichtig ist, ist für Toivola das Growth Mindset (siehe dazu etwa diesen Beitrag, der auch Bezüge zu Mathematik hat), also einer Haltung, die u. a. geprägt ist von Offenheit, einem Mix aus gegenseitiger Unterstützung und Herausforderung sowie der Bereitschaft Risiken einzugehen im Sinn von sich auf bislang unbekannte Wissenterrains zu begeben.

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Vielfalt bei Vorbereitungsmaterialien

Josef Buchner (noch zu der Zeit im Zug sitzend), Karin Ginner und Christoph Hofbauer (PH NÖ) berichteten in ihren Beitrag über ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Vielfalt in Bezug auf Vorbereitungsmaterialien (siehe dazu hier). Sie arbeiten sowohl mit Texten als auch mit Videos, Podcasts, interaktiven Lernmitteln (H5p) und weiterführenden Links. Wichtig ist also verschiedene Formate zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig – wie die Autor*innen hier – untersuchen, wie diese in Anspruch genommen werden.

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Bildungsmythen debunked

Am zweiten Tag übernahm dankenswerter Weise spontan Elke Höfler die Keynote und beschäftigte sich in einer sehr interaktiven und dialogorientierten Form mit Bildungsmythen. Mythen beruhen oft auf Anekdoten „Ich kenn jemand, der_die jemand kennt, bei dem_der das so ist“. Die gesammelten Mythen von Elke Höfler und Josef Buchner finden sich hier https://digitalanalog.at/category/myths/ Hier nun einige Impressionen zu den Mythen:

Mythos 1: Spiele führen zu Gewalt: Hier wird fälschlicherweise von einem Ursache – Wirkung Schema ausgegangen, natürlich gibt es deutlich vielschichtigere Gründe, warum eine Person gewalttätig wird. Gleichzeitig können spielerische Herangehensweisen, egal ob digital oder analog, wertvolle Impulse für Lernprozesse liefern.

Mythos 2: „Lernende lesen nicht mehr“ – das stimmt so nicht, verändert haben sich die „Textsorten“, zu Büchern dazu kommen Blogs, Chats, SMS… Siehe etwa auch dazu diese Studie https://www.mpfs.de/studien/jim-studie/2018/

Mythos 3: Internet macht uns dümmer – dazu ein von Alicia Bankhofer getwitterter interessanter Meinungsbeitrag https://blogs.scientificamerican.com/observations/is-smart-technology-making-us-dumb/ Aus dem Saal: „Wir bewegen uns zu sehr in eigenen Bubbels“ – das machen „wir“ auch analog, dies gilt es zu reflektieren und immer wieder andere Quellen kritisch & selbstbewusst zu nutzen

Mythos 4: Wir sind Multitasker*innen, dazu interessanter Beitrag mit dem Fokus auf ständige Unterbrechungen von Arbeitsabläufen https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-1-4842-4221-6_9

Mythos 5: Das Internet gehört in die (Hoch)Schule, weil es in der Lebenswelt Kinder, Jugendlicher und Junger Erwachsenen omipräsenter Alltagsteil ist – diskutiert wurde hier, ob dies überhaupt eine Frage ist, da ja das Internet nicht vor den Türen einer (Hoch)Schule stehen bleibt. Gefragt sind Konzepte, Menschen dabei zu begleiten nicht nur mit verschiedensten Inhalten auf eine Weise umzugehen, die u. a. einem lebensbegleitenden Lernen zuträglich ist, sondern auch selbst zu Produzent*innen vielschichtiger Beiträge zu werden im Sinn einer Wissenschaftskommunikation.

Mythos 6. (Hoch)Schule bringt die Kreativität um – die Frage müsste wohl hier lauten, welche Beiträge (Hoch)Schule leisten kann um die Weiterentwicklung von Kreativität zu fördern, positive Beispiele gibt es dafür sehr viele.

Mythos 7: Es gibt verschiedene Lernstile. Dazu eome wunderschöne Antwort von Gottfried Csanyi TU Wien „Ja! Es gibt über sieben Milliarden Lerntypen“ Dazu noch ergänzend dieser von A. Bankhofer gefundene interessante englischsprachige Beitrag https://www.pearson.com.au/insights-and-news/supporting-students/learning-myth-1-everyone-has-a-set-learning-style/

Mythos 8: Es gibt sie, die „21st Century – Skills“. Jein. Denn Skills, wie sie etwa hier im Überblick beschrieben sind, sind nur bedingt „neu“ oder haben speziell mit dem 21. Jahrhundert zu tun. Gleichzeitig bleibt es wichtig solche Kompetenzen immer wieder zu formulieren, weiter zu entwickeln und bei der Planung von Curricula sowie einzelner Lehrveranstaltungen zu berücksichtigen.

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Scrollytelling in der Lehre

Scrollbasiertes Storytelling (kurz: Scrollytelling) ist seit etwa 2012 ein Trend in der visuellen Gestaltung sowohl im Bereich der Werbung als auch bei Informations- und Lernmaterialien (hier ein Beispiel zum Thema Wasser sparen http://everylastdrop.co.uk/). Text, Bild, Video, Audio und Animation spielen in einer vordefinierten Dramaturgie zusammen, folgend auch Prinzipien von Micro-Learning. Christin Heinze von der Folkwang Universität der Künste setzte diese Gestaltungsprinzipien für Lernmaterialien im Sinn des ICM für eine Lehrveranstaltung zu Responsive Webdesign um. Damit ergibt sich eine spannende Form der Aufbereitung von Inhalten, die alle Sinne anspricht. Sicher ein Feld, das es in Bezug der Gestaltung von Lernmaterialien weiter zu verfolgen gilt.

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E-Multiplikator*innen

Ein interessantes Angebot des Center for Teaching and Learning der Universität Wien ist jenes von E-Multiplikator*innen https://ctl.univie.ac.at/services-zur-qualitaet-von-studien/digitale-lehre/innovative-lehre-und-grosslehrveranstaltungen/#c384267 – auch als Beitrag in Richtung der Entwicklung / des Einsatzes von didaktischen Mustern.

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VR-Werkstatt

In der „Virtual Reality“ Werkstatt fiel der Vortag von Regina Bäck aus. Dafür stellte Hagen Schwanke von der Physik-Didaktik der Uni Würzburg sein Promotionsvorhaben vor. Sehr spannende AR-Inhalte für physikalische Phänomene, die Lernenden bei der Veranschaulichung helfen sollen, es geht um das Testen von Hypothesen mit und ohne AR sowie um didaktische Modelle, wie denn AR im Physik-Unterricht eingesetzt werden kann. Weitere Infos hier: https://www.physik.uni-wuerzburg.de/pid/physik-didaktik/augmented-reality/

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Die Vorentlastung von Schülerexperimenten im Flipped Classroom

Wolfgang Lutz von der Uni Würzburg berichtete von seinem Promotionsvorhaben im Bereich Flipped Classroom und Physik dargestellt. Es handelt sich dabei um ein sehr gut durchdachtes Forschungsvorhaben, dass tatsächlich Flipped Classroom längerfristig in vielen Schulklassen untersuchen wird. Die Videos beschreiben Versuchsabläufe bei Experimenten und die Schülerinnen und Schüler können dann im Unterricht sofort mit dem Experimentieren starten.

Flipped Classroom ist bekannter Weise eine Möglichkeit den Unterrichtsverlauf umzustrukturieren. Das von Lutz und und Thomas Trefzger zeigt, wie das Modell dabei hilft Unterrichtszeit effektiv zu nutzen und den SchülerInnen ein individuelles Tempo zu ermöglichen. Mittels, vorab zur Verfügung gestellten, Lernvideos wurden Informationen vermitteln, welche dann in Experimenten während des Unterrichts angewandt wurden. So konnten praktische Erfahrungen gesammelt werden und Zusammenhänge leichter dargestellt werden, da die Grundlagen bereits selbstständig erlernt wurden.  Dies führte nachweislich zu einem besseren Lernerfolg und effektiver genutzter Zeit während des Unterrichts.

Weitere Infos hier: https://www.physik.uni-wuerzburg.de/pid/physik-didaktik/forschungsthemen/

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Spielerischer Zugang zu Bildungsbiographien

Gottfried Csanyi TU Wien berichtete in seinem Beitrag von der Lehrveranstaltung „Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen“. Csanyi formulierte für diese kompetenzorientierte Learning Outcomes. Ein Schwerpunkt der LV ist die intensive Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Bildungsbiographien. Später wurde die LV auf Lernende aller Studienrichtungen der TU Wien ausgeweitet. Den Rahmen für den Lernprozess bildete nun ein Spiel: Die Figuren wandern über 69 Felder, die für konkrete Lebenssituationen von der Geburt bis zum PhD stehen. Die Teilnehmer*innen definieren diese Situationen und sagen deren Einfluss auf die zukünftigen Lernmöglichkeiten einer Spielfigur voraus – sie entwickeln also selbst Spielkarten. Die Grundlagen dafür sind subjektive Theorien, die anhand wissenschaftlicher Literatur in einer eigenständigen Lernform verifiziert oder modifiziert werden. Daraus resultieren Papers mit Situationsbeschreibung, Hypothesen, theoretischen Erklärungen und empirischen Belegen der vermuteten Wirkungen. Jeglicher Content kommt von den Studierenden. Csanyi liefert den Rahmen, die Aufgabenstellung und Feedback zu den Papers, wobei hier ebenso zwei Peer Feedbacks kommen. Umgestellt wurde auch der Prüfungsmodus auf eine formative Vorgangsweise.

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Möglichkeiten von Opencast für den Inverted Classroom

Gerald Stachl und Johann Trimmel von der PH Niederösterreich (A) erläuterten die Einsatzmöglichkeiten von Opencast, welches eine OpenSource Möglichkeit für die Abwicklung von Lehrveranstaltungsaufzeichnungen. Es wurde gezeigt, welche Bereiche durch die Software abgedeckt sind und die Anwendung am Beispiel der PH Niederösterreich mit festinstallierter Kamera (siehe Fotos) erklärt. Theoretisch wurden auch weitere Ergänzungen vorgestellt, die eine Integration in vorhandene Systeme (z-B- Moodle, LDAP,…) ermöglichen. Im praktischen Teil konnte man mit einem Testuser selbst die einfache Bedienung der Software testen und vorhandenes Material bearbeiten.

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SDGs goes digital – Digitale Inhalte in Lehrveranstaltungen zu Umweltbildung und Sustainable Development Goals verfügbar, diskutierbar machen

Angela Forstner-Ebhart und Susanne Aichinger von der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik ermöglichten einen Einblick in das mittels Padlet erstellte Model, welches digitale Inhalte zu den SDGs verfügbar macht. Neben weiterführenden Materialien und Diskussionsgrundlagen, sind auch Unterrichtsbausteine bereitgestellt, die sich auf einem weiteren Padlet befinden. Konkret wurden die Möglichkeiten der Bausteine in zwei Beispielen besprochen. Diese ermöglichen eine Wissensvermittlung unter anderem durch Learningsnacks und Mystery. Diese Game-Based Methoden ermöglichen ein selbstständiges Arbeiten mit aufbereiteten Unterlagen.

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Camtasia Workshop

In der Workshop Session der Bildungspunks präsentierte Carola Berger das Aufzeichnungs- und Schnittprogramm Camtasia. In Form einer kurzen Demonstration wurden die grundlegenden Funktionen der Software dargestellt und mit vorbereitetem Videomaterial konnte anschaulich erklärt werden, wo die Möglichkeiten von Camtasia liegen. Zum Höhepunkt des Workshops gabe es eine Verlosung und der Gewinner konnte sich über eine Jahreslizenz für Camtasia und Snagit freuen.

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Robotikum – Inverted Makerspace

Sabrina Zeaiter und Patrick Heinsch (siehe hier) präsentierten in ihrem Vortrag, wie sie Roboter in der Lehre einsetzen (Roboter = NAO). Einerseits werden sie als „buddys“ für Kinder verwendet und unterstützen die Kinder durch Anweisungen und Hilfestellungen und andererseits bekommen Jugendlichen die Möglichkeit selbst programmieren zu dürfen.

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Noch zwei Links:

Stefan Oppl https://www.slideshare.net/stefanoppl/icmb-2020-gitlab-zur-lerninhalterstellung

Augmented Reality Tool Zappar https://moodle.ruhr-uni-bochum.de/m/course/view.php?id=25270

 

#icmbeyond20 ICM zur Förderung forschungs- und praxisbezogener Kompetenzen in der Lehrer*innenbildung

21. Januar 2020 icmbeyond20

Ariane S. Willems, Katharina Dreiling, Karina Meyer (alle Institut für Erziehungswissenschaft, Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung mit dem Schwerpunkt Schul- und Unterrichtsforschung) und Angelika Thielsch von der Abteilung Studium & Lehre, Hochschuldidaktik der Georg-August-Universität Göttingen bringen sich bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond, 11. & 12. 2. 2020 an der PH Niederösterreich ein. Dazu zunächst dieses Video:

 

Von zukünftigen Lehrkräften wird verlangt, dass sie praxis- und forschungsbezogene Kompetenzen erwerben, damit sie den eigenen Unterricht evidenzbasiert planen und weiterentwickeln können. Wie kann das Inverted Classroom-Modell genutzt werden, um diese Kompetenzen in der universitären Lehramtsausbildung stärker zu fördern? Und wie kann eine Learning Analytics-Perspektive bei der Klärung dieser Frage hilfreich sein? In unserem 45-minütigen Workshop möchten wir mit Ihnen gemeinsam zu diesen Fragen diskutieren und zwei Projekte vorstellen, in denen das Inverted Classroom-Modellumgesetzt wird, um einen ermittelten Bedarf in der Studiengangstruktur zu decken.

Konkret werden wir zwei Projekte, ihre Entstehung und Umsetzung vorstellen, die beide an der Georg-August-Universität Göttingen im Master of Education verortet sind. Neben dem Fachstudium der Unterrichtsfächer absolvieren die Lehramtsstudierenden an deutschen Hochschulen bildungswissenschaftliche Module, in denen sie sowohl forschungs- als auch praxisbezogene Kompetenzen erwerben sollen. Beides erfolgt meist implizit und soll im Rahmen der beiden Projekte stärker adressiert werden. Das erste Projekt ist FlipViU, in dem ein Seminar zum Thema videobasierte Unterrichtsanalyse als Flipped Classroom realisiert wird. Das zweite Projekt ist QuBIC, in dem Teile eines Moduls zu quantitativer Bildungsforschung als Inverted Classroom neukonzipiert werden. In beiden Projekten kommen bewährte ICM-Elemente zum Tragen, um Studierende mit unterschiedlichem Vorwissen und unterschiedlichen Einstellungen darin zu unterstützen, ihren Lernprozess individuell und selbstgesteuert beim Erwerb der avisierten Kompetenzen zu verantworten. Beide Projekte befinden sich in ihrer ersten Umsetzungsphase und werden dabei kontinuierlich über E-Assessment und -Feedback evaluiert.

Im Workshop werden wir neben einem Einblick in die beiden ICM-Projekte insbesondere darauf fokussieren, inwiefern ein durch Learning Analytics geleiteter Blick hilfreiche Impulse bietet, um die didaktische Neugestaltung der hier bearbeiten Lehrveranstaltungen voran zu treiben. Und natürlich richten wir auch einen Blick darauf, wieso ICM für uns ein Weg ist, die ermittelten Bedarfe zielgerichtet in der Neukonzeption der Lehre zu adressieren.

#icmbeyond20 Augmented Reality meets MINT Flipped Classroom

13. Januar 2020 icmbeyond20

Stefanie Schallert, aktuell Mitarbeiterin bei der Virtuellen Pädagogischen Hochschule  bringt sich mit einem Beitrag zu Augmented Reality bei der Konferenz INverted Classroom and Beyond, 11. & 12. 2. an der PH Niederösterreich ein.

Dazu zunächst dieses Videointerview:

Die Entwicklung von Augmented Reality Anwendungen (z.B. GeoGebra AR) bietet neue Möglichkeiten, Lernprozesse in den naturwissenschaftlichen Fächern zu unterstützen. Samuelsson (2006) betont jedoch, dass nicht der Einsatz von Technologien im Mittelpunkt stehen sollte, sondern vor allem die Art und Weise, wie neue Technologien im Unterricht eingesetzt werden, die die Ausrichtung und damit den Erfolg des Unterrichts bestimmen – nämlich die Nutzung von Technologien zur Entdeckung und Erforschung des Lerngegenstands. Johnson et al. (2011) weisen darauf hin, dass Augmented Reality insbesondere zur Unterstützung von explorativem Lernen eingesetzt werden kann. Durch die Implementierung von Augmented Reality-Aktivitäten in Flipped Classroom-Szenarien kann wertvolle Präsenszeit für die Erforschung gewonnen werden. Somit haben Lernende genügend Zeit, um neue Phänomene im eigenen Tempo zu erkunden. Wie Augmented Reality-Lernaktivitäten effektiv in Flipped Classroom-Szenarien integriert werden können, ist noch unbekannt (Ibáñez & Delgado-Kloos, 2018). Daher werden in diesem Beitrag zwei auf literaturbasierende Vorlagen für Lernprozessgestaltungen, die Exploratives und Problembasiertes Lernen ermöglichen sollen, vorgestellt.

Bei diesem Workshop steht das didaktische Design von Augmented Reality basierter Flipped Classroom-Einheiten im Vordergrund. Es werden dabei vorab zwei Vorlagen für Lernprozessgestaltungen, die exploratives und problembasiertes Lernen ermöglichen sollen, vorgestellt. Die Teilnehmenden können sich im Workshop von den vorgestellten Praxisbeispielen inspirieren lassen und selbst Lernszenarien für ihren eigenen Unterricht planen.

Literaturhinweise:

Ibáñez, M.-B., & Delgado-Kloos, C. (2018). Augmented reality for STEM learning: A systematic review. Computers & Education, 123, 109–123. https://doi.org/10.1016/j.compedu.2018.05.002

Johnson, L., Smith, R., Willis, H., & Levine, A. H. (2011). The 2011 Horizon Report. Austin, Texas:

The New Media Consortium.

Samuelsson, J. (2006). ICT as a Change Agent of Mathematics Teaching in Swedish Secondary School. Education and Information Technologies, 11(1), 71–81. https://doi.org/10.1007/s10639-005-5713-5

#icmbeyond20 – Augmented Reality in der Hochschullehre: Markerbasierte Skripte, Poster und mehr erstellen.

18. Dezember 2019 icmbeyond20

Kathrin Braungardt und Sabine Römer von der Ruhr-Universität Bochum bringen sich mit einem innovativen Beitrag zu Augmented Reality im ICM bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond, 11. & 12. 2. 2020 an der PH Niederösterreich (Baden) ein. Dazu zunächst folgendes Videointerview:

In einem 45-minütigen Workshop sollen die Teilnehmenden ein Arbeitsblatt mit Zusatzinhalten in Form von Augmented Reality (Videos, Animationen, weiterführende Links etc.) erstellen. Dies steht stellvertretend für weitere Darstellungsformen in der Lehre an Universitäten, in denen es darum gehen kann, AR zur erweiterten Visualisierung und Veranschaulichung einzusetzen. Gearbeitet werden soll mit der Software Zappar, die auch von technischen Laien bedient werden kann und mit welcher mit verhältnismäßig geringem Aufwand ansprechende Ergebnisse erzielt werden können. 

An der Ruhr-Universität Bochum wurden bereits Erfahrungen mit Zappar gesammelt. Es handelt sich um eine einsteigerfreundliche Technologie, die dazu dienen kann, sich niedrigschwellig mit dem Thema AR vertraut zu machen. Zapppar deckt einen bestimmten Bereich von AR-Technologie ab, den der Markerbasierten Augmented Reality. Ein Blatt Papier, eine Postkarte oder ein Poster werden mit einem sogenannten Tracking-Code (Marker) versehen. Dieser kann mit einem Smartphone gescannt werden, und über das Kamerabild des Smartphones werden Informationen, Bilder oder auch 3D- Objekte angezeigt. Die Anwendung kann darüber hinaus interaktiv sein und eine Navigation enthalten. 

Für den Workshop werden alle Materialien und Programmzugänge vorbereitet und gestellt. Vorab werden zur Vorbereitung Inhalte online angeboten, beispielsweise erklärt, was Augmented Reality ist, welche Realisationsformen es gibt und wie AR-Anwendungen, die mit Zappar erstellt werden, einzuordnen sind. Zudem werden Lehrszenarien vorgeschlagen und Lehrmethoden genannt, die dazu passend verwendet werden können. Zur Funktionsweise von Zappar kann auf einführende Tutorials verwiesen werden. 

Im Workshop soll es zum Einen darum gehen, die Technologie kennenzulernen, aber zum Anderen darum, ein Lehr-/Lernszenario zu entwickeln bzw. Varianten des Einsatzes zu diskutieren. Es ist beispielsweise vorstellbar, dass augmentierte Arbeitsblätter dazu verwendet können, um die Präsenzlehre aktiver zu gestalten, u.a. auch im Rahmen eines Inverted Classroom-Modells. Möglich ist gleichfalls, dass Studierende/Lernende in die Lage versetzt werden, selbst augmentierte Inhalte anzufertigen, z.B. in projektorientierten Lernsettings. Lehr-/Lernszenarien, in denen diese Form von Augmented Reality eingesetzt werden kann, sind in vielen verschiedenen Fächern und Themenbereichen realisierbar, sowohl in geistes-/kulturwissenschaftlichen als auch in naturwissenschaftlichen Fächern. 

Literatur 

Altinpulluk, H. (2019). Determining the trends of using augmented reality in education between 2006-2016. In: Education and Information Technologies, 24(2), 1089 – 1114. DOI: https://doi.org/10.1007/s10639-018-9806-3 

Bower, M., Howe, C., McCredie, N., Robinson, A., & Grover, D. (2014). Augmented Reality in education – cases, places and potentials. Educational Media International, 51(1), 1–15. DOI: https://doi.org/10.1080/09523987.2014.889400 

Yuen, S. Ch., Yaoyuneyong, G. & Johnson, E.k (2011). Augmented Reality: An Overview and Five Directions for AR in Education. Journal of Educational Technology Development and Exchange (JETDE), 4 (1), Article 11. DOI: https://doi.org/10.18785/jetde.0401.10

ICM in ingenieurswissenschaftlicher Massenlehrveranstaltung

9. Dezember 2019 Allgemein

Michael Fuchs und Maria Haas von der TU Graz wenden sich dem Thema zu, wie sich ICM auch mit einer großen Zahl Studierender umsetzen lässt bei der #icmbeyond20 Konferenz Inverted Classroom and Beyond am 11. & 12. 2. an der PH Niederösterreich (Baden) ein. Dazu zunächst ein Videointerview:

Studierende können oft schwer einschätzen, welche grundlegenden Fertigkeiten in ihrem späteren Berufsleben von ihnen verlangt werden. Daher ist es wichtig, dass sie in der Lage sind, Grundprinzipien (z.B. Grundlagen der Elektronik) in späteren Semestern sowie im Berufsleben zu verinnerlichen, um sie entsprechend einsetzen zu können.
Damit die wichtigsten Inhalte des Studiums für Studierende auch im späteren Leben stets abrufbar sind, haben Dozenten des Institutes für Elektronik an der TU Graz in den vergangenen Jahren verschiedene Video-Tutorials erstellt. Die Videos stehen als Open Educational Resources zur Verfügung, sind damit also offen lizenziert und können über YouTube aufgerufen werden. In den Videos werden jene grundlegenden Prinzipien der Elektronik behandelt, die zum Verständnis elektronischer Schaltungen unbedingt erforderlich sind.
Konzept Rund 300 Studierende besuchen jedes Jahr die Vorlesung „Elektronische Schaltungstechnik 2“. Bisher fand diese als lehrendenzentrierte Vorlesung mit Multimedia-Unterstützung statt. Im Rahmen eines Projekts wird die Lehrveranstaltung nun im WS 2019/2020 das erste Mal nach dem Inverted Classroom Modell (ICM) durchgeführt. Dabei werden drei Einheiten der Lehrveranstaltung „geflippt“ abgehalten.
Mit Hilfe des Tools H5P werden die Videos auch interaktiv gestaltet und zur LV-Vorbereitung für Studierende bereitgestellt. Dadurch sollen diese dazu angeregt werden, beim Ansehen der Videos aktiv mitzudenken und die eigenen Wissenslücken zu erkennen. In der ICM-Präsenzveranstaltung werden hauptsächlich praktische Beispiele behandelt, kleine Rechen- und Rechercheaufgaben durchgeführt sowie auf speziellen Fragestellungen eingegangen. Dadurch wird die Unterrichtszeit an die Bedürfnisse der Studierenden angepasst. Ziel ist es, dass die Studierenden die wichtigsten Grundlagen verstehen und auch jederzeit wiederholen können.
Die vorhandenen Videos und Inhalte, sowie die gewonnenen Erkenntnisse aus der LV, sollen in die Erstellung eines MOOC (Massive Open Online Course) auf der Plattform iMooX einfließen. Dieser soll mit Sommersemester 2020 an den Start gehen.

Umsetzung
In der Pilotphase im WS 2019/2020 werden drei Vorlesungseinheiten nach dem ICM durchgeführt und ausgewertet. Die LV wird dabei von einem Instructional-Design-Team didaktisch begleitet. Basierend auf den Ergebnissen der Pilotphase sollen zukünftig größere Teile oder die gesamte Vorlesung nach dem ICM durchgeführt werden. Weiters werden Guidelines erarbeitet, welche Lehrpersonen im Hochschulbereich bei der Implementierung des ICM in ihrer Lehre unterstützen sollen.

Evaluierung
1. Audience-Response-Systeme: Studierende können während jeder Einheit anonym Feedback geben.
2. Evaluierungs-Fokusgruppe: Die Fokusgruppe setzt sich aus freiwilligen Teilnehmer*innen zusammen, die spezifischen Fragen zum Lehrkonzept beantworten und ihre persönlichen Erfahrungen mit dem neuen Modell einbringen können.
3. Hospitation der LV: Das Instructional-Design-Team begleitet die LV.
Co-Creation: Studierende entscheiden selbst mit, wie die jeweilige Lehrveranstaltungseinheit abgehalten werden soll um sie bestmöglich zu unterstützen.
4. Self-Assessment: Die Ergebnisse der Zwischenfragen in den interaktiven Videos, sowie speziell konzipierte Online-Selbsttests (Probeprüfungen) werden ausgewertet.
5. Lehrveranstaltungsevaluierung: Wie üblich am Ende des Semesters. Auch hier werden spezifische Fragen zum didaktischen Konzept gestellt.
6. Prüfungsergebnisse: Die Durchschnittsnote von 2,892 soll verbessert und der Anteil an negativen Prüfungen (aktuell 20,43%) soll reduziert werden.

Virtual Reality – Bildung in einer neuen Dimension

Allgemein

David Röthler, Experte in Sachen digitale Kommunikation, E-Learning, MOOCs, Crowdsourcing und EU-Projekten  behandelt bei der #icmbeyond20 das rasch expandiertende Themenfeld des Einsatzes von Virual Reality in didaktischen Feldern. Dazu zunächst dieses Videointerview:

Bei Virtual Reality können sich Lernende auf Reisen in computergenerierte Welten begeben und multimediale sowie sogar immersive Erfahrungen machen, die sonst entweder nicht möglich, zu teuer oder zu gefährlich wären. Live-Begegnungen mit anderen Menschen sind bei Social-VR möglich: Gemeinsam bewegt man sich durch 3D-Umgebungen, kollaboriert und kommuniziert. Die Begegnung wird als persönlicher wahrgenommen als bei Videokonferenzen in 2D.

Was bedeuten diese neuen Möglichkeiten nun für Bildung? Welche technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein? Welche Kompetenzen brauchen die Lehrenden?

Im Workshop bei der #icmbeyond20 werden wir uns Hard- und Software ansehen. Beispiele aus dem Bildungsbereich insbesondere zu Social-VR werden live demonstriert. Unterschiedliche Szenarien und Möglichkeiten der Verknüpfung mit dem Inverted Classroom werden diskutiert.

Noch ein Hinweis: Joe Buchner und CHristian F. Freisleben vom Organisationskomitte haben eine Sammlung von Ressourcen und Szenarien zum EInssatz von VR/ AR und MR (nicht nur ) in der Lehre zusammengestellt.

Didaktische Flipped Classroom Muster in den Geisteswissenschaften

icmbeyond20

Irene Fally und Christoph Winter vom Center for Teaching and Learning der Universität Wien bringen sich mit einem interessanten Beitrag bei der #icmbeyond20 Konferenz Inverted Classroom and Beyond am 11. & 12. 2. an der PH Niederösterreich (Baden) ein. Dazu zunächst ein Videointerview:

Im Sinne einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Lehre, bietet die
Universität Wien für alle Studienprogrammleitungen mediendidaktische und technische
Unterstützung in Form von “E-MultiplikatorInnen” an. Dabei werden Lehrende von
studentischen MitarbeiterInnen bei der Planung und Umsetzung innovativer Lehrkonzepte,
sowie bei deren Evaluation und Weiterentwicklung auf Grundlage des Feedbacks der
Studierenden unterstützt. Im Studienjahr 2017/2018 wurde das Augenmerk auf das Flipped
Classroom Konzept (synonym zu nverted Classroom Modell) gelegt. Als besonders herausfordernd und spannend gestaltete sich das Vorhaben, das Flipped Learning Konzept in nicht prüfungsimmanenten
Großlehrveranstaltungen einzubauen. Insgesamt wurden über 30 Lehrveranstaltungen in
diesem Studienjahr betreut, 12 davon aus den Geisteswissenschaften.
In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen wie didaktische Flipped Classroom Modelle
in den Geisteswissenschaften eingesetzt werden können. Als Beispiel dient die
sprachwissenschaftliche Einführungsvorlesung Italienisch am Institut für Romanistik, innerhalb
derer ein didaktisches Muster zur Studierendenaktivierung durch Flipped Classroom entwickelt
wurde. Im Rahmen dieser Vorlesung werden die Studierenden dazu angehalten, eine
linguistische Ministudie durchzuführen. Das Ziel dieser Aktivität ist, die Studierenden an die
theoretischen Modelle und die linguistische Terminologie heranzuführen. Entgegen dem
normalerweise üblichen Vorgehen (Lektüre zu Hause – Besprechung der zentralen Punkte –
Diskussion von Beispielen), wird zu Hause ein WebQuest bearbeitet (=Ministudie), dessen
Ergebnisse in der Vorlesungseinheit zuerst in Kleingruppen, dann im Plenum diskutiert
werden. Während das WebQuest stark an die Vorerfahrungen der Studierenden anknüpft, wird
in der Vorlesung die theoretische Untermauerung der selbst erarbeiteten Ergebnisse
angestrebt. Auf diese Weise sind die Studierenden stärker in die Vorlesung eingebunden und
entwickeln ein besseres Verständnis für die theoretischen Konzepte, da sie mit selbst
erhobenen Daten arbeiten.
Aufgrund der positiven Rückmeldungen der Studierenden wurde das oben beschriebene
Vorgehen ausgebaut und hat sich zu einem didaktischen Muster entwickelt: In der
Einführungsvorlesung wird es bereits für drei von sechs Themenbereichen verwendet.
Zusätzlich wird es für die sprachwissenschaftliche Einführungsvorlesung Spanisch eingesetzt.
Die erfolgreiche Anwendung zeigt, wie Flipped Classroom auch in den Geisteswissenschaften
eingesetzt werden und Großlehrveranstaltungen bereichern kann.

Methoden: Im Rahmen des Workshops bei der #icmbeyond20 wird das didaktische Muster kurz vorgestellt und die TeilnehmerInnen erhalten die Möglichkeit es selbst auszuprobieren. Dem Prinzip Think-Pair-Share folgend, bekommen die TeilnehmerInnen die Möglichkeit eigene Ideen und Weiterentwicklungen zum vorgestellten didaktischen Muster und zu didaktischen Mustern in
den Geisteswissenschaften im Allgemeinen zu diskutieren und in einem Padlet zu sammeln,
das auch nach dem Workshop allen TeilnehmerInnen zur Verfügung steht.

Robotikum – Inverted Makerspace

5. Dezember 2019 icmbeyond20

Sabrina Zeaiter und Patrick Heinisch (beide Universität Marburg) bringen sich mit aktuellen Informationen aus dem spannenden Projekten RoboPraX und RoboBase bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond, 11. und 12. 2. 2020 an der PH Niederösterreich (Campus Baden) ein.

Dazu folgendes Videointerview:

Das Marburger Robotikum-Konzept ist eine seit Mai 2018 bestehende Kooperation zwischen der Stadt Marburg, dem Schulamt, der Sparkasse Marburg-Biedenkopf und der Philipps-Universität Marburg. Das Projekt ist örtlich an der Marburger Adolf-Reichwein-Schule angesiedelt, wo ein Raum mit 12 Laptops, WLAN und einem Videoprojektor bereitgestellt ist.Vier humanoide Roboter des Typs Nao von der Firma Softbank Robotics bilden die Arbeitsgrundlage für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. Geleitet werden die Workshops durch studentische Hilfskräfte, die eigens für den Einsatz geschult werden. Im Robotikum werden so seit Mai 2018 nahezu wöchentlich, in jeweils drei-tägigen Schulungen, zielgruppengerecht Schulklassen (Jg. 8 bis 13) aus diversen Schultypen mit ihrem Leistungsstand entsprechenden Aufgabenim Umgang mit humanoiden Robotern geschult (5 Std./Tag). Mit einem Abschlussprojekt, das parallel bearbeitet und am Ende des dritten Robotikum-Tages vorgestellt wird, endet das Robotikum.

Ab Herbst 2019 wird das bestehende Konzept im Rahmen des BMBF-geförderten Forschungsprojekts RoboPraX invertiert. Auftakt-Bestandteil ist dabei dersich derzeit in der Entwicklung befindliche MOOC RoboBase. Er dient der selbstgesteuerten Inhaltsvermittlung, und ist in drei Varianten, von einfach bis fortgeschritten, geplant. So sollen die Kursteilnehmer bereits in der Online-Vorbereitung lernerzentriert mit den Prinzipien sozialer Roboter, sowie mit der Entwicklungsumgebung vertrautgemacht werden. Im anschließenden Robotikum werden, wie oben beschrieben, kollaborativ die Grundlagen der Assistenzrobotik praxisnah an den vorhandenen Robotern erprobt und entwickelt. Zudem werden die TeilnehmerInnen so an die von der Kultusministerkonferenz (KMK) definierten Kompetenzbereiche der digitalen Welt herangeführt.

Der vorgeschlageneWorkshop (45 Minuten)setzt sich strukturell wie folgt zusammen:

  • Beschreibung des Projekts (inkl. ersterErfahrungen und Evaluationsergebnisse nach der Invertierung&zukünftige Entwicklungsziele)
  • Interaktive Sequenz mit NAO-Roboter (Teilnehmende sollten einen Laptop mitbringen und die Software Choregraphe installiert haben –zur Vorbereitung kann der MOOC RoboBase durchlaufen werden.)

Literatur: S. Zeaiter, P. Heinsch (2019) Humanoid Assistant Robots in Teaching& Learning, EDULEARN19 Proceedings, pp. 8673-8683.

Vermittlung digitaler Kompetenzen an Lehramtsstudierende

icmbeyond20

Julia Weißenböck bringt sich mit dem Konzept #digiteach bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond, 11. und 12. 2. 2020 an der PH Niederösterreich (Campus Baden) ein.

Dazu zunächst ein Videointerview

 

Von LehrerInnen wird heutzutage viel verlangt. Während Methodenkompetenz, Fach- und
Sprachkompetenz nach wie vor die Kernkompetenz der EFL-Lehrkräfte bilden, hat nun ein weitere, in der Vergangenheit meist vernachlässigte Kompetenz, die didaktische Bühne betreten: die digitale Kompetenz. (Brandhofer, Kohl, Miglbauer, & Narosy, 2016)

Im Herbst 2018 wurde an allen Schulen in Österreich ein Pflichtlehrplan für die „Digitale Grundbildung“; eingeführt und Lehrkräfte, unabhängig von ihrem Fach, sind gesetzlich verpflichtet, digitale Werkzeuge in ihren Unterricht zu integrieren und ihren SchülerInnen vor allem beizubringen, wie sie in unserer digitalen Welt erfolgreich leben können. (BMBWF (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung), 2018)

Wie sollen Lehramtsstudierende jemals dazu in der Lage sein?
Man könnte glauben, dass sie kein zusätzliches Training benötigen, da sie sowieso zur Smartphone- Generation gehören, aber dem ist nicht so. Es reicht nicht aus, ein Smartphone zu verwenden, sondern LehrerInnen müssen in der Lage sein, ihr methodisches Know-how mit digitalen Fähigkeiten zu kombinieren. So entstand der digi.kompP, ein Framework, das die digitale Kompetenz für Lehrkräfte beschreibt. (Brandhofer; et al., 2016).

LehrerInnen müssen heutzutage die rechtlichen Rahmenbedingungen, Urheberrechtsgesetze, Apps und Tools kennen, die sie mit ihren SchülerInnen sicher verwenden können, und darüber hinaus sollte dies alles dem Fachunterricht zuträglich sein. Daher ist es höchste Zeit, digitale Kompetenz in die Fachdidaktikkurse der Lehramtsausbildung zu integrieren.

Im Sommersemester 2018 fand erstmalig ein solcher Kurs am Fachbereich Anglistik/Amerikanistik der Universität Salzburg statt. In diesem Kurs lernten die Studierenden verschiedene Frameworks, die sogenannten 21st Century Skills und Apps und Tools kennen, die sich in den Unterricht integrieren lassen.
Sie beschäftigten sich mit Konzepten wie dem „Flipped Classroom“ oder Augmented Reality, und sie
wurden auch, im Sinne des life-long autonomous learning, aktiv dazu aufgefordert sich online (auf Twitter) zu vernetzen und sich auf der Plattform der Virtuellen PH fortzubilden.
Um die Vernetzung der Studierenden mit ExpertInnen der Community zu fördern, wurden Fachleute aus anderen Bildungseinrichtungen eingeladen, Gastvorträge in diesem Kurs zu halten und somit den
Grundstein für einen Austausch und eine langfristige Zusammenarbeit – auch Institutionsübergreifend – zu legen.
Ziel des Kurses war es, ganz im Sinne des learning by design oder design-based learning Ansatzes,
produktorientiert zu arbeiten und unter Verwendung des im Kurs gelieferten oder erarbeiteten Inputs ein digitales Materialpaket zu einem Thema zu erstellen. Die so entstandenen sog. #digi.packs basieren auf den im Kurs vorgestellten relevanten rechtlichen Grundlagen (Lehrpläne, Kompetenzmodelle) und vereinen bereits bestehendes fachdidaktisches Know-How der Studierenden mit den im Kurs neu erworbenen digitalen Kompetenzen. Auf diese Weise ist es gelungen die Studierenden in diesem Kurs mit den notwendigen Fähigkeiten auszustatten um den Anforderungen eines modernen Unterrichts gelassen zu begegnen.

siehe auch den Beitrag von Julia mit einer schönen Definition von flipped / inverted classroom hier

Literatur
BMBWF (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung). Verordnung der Bundesministerin
für Bildung, mit der die Verordnung über die Lehrpläne der Neuen Mittelschulen sowie die
Verordnung über die Lehrpläne der allgemeinbildenden höheren Schulen geändert werden. , Pub.
L. No. BGBl. II Nr. 71/2018 (2018).
Brandhofer, G., & et al. (2016, July). Digi.kompP – Kompetenzmodell. Retrieved from http://www.virtuelle-
ph.at/wp-content/uploads/2016/09/digi.kompP-Grafik-und-Deskriptoren-1.pdf
Brandhofer, G., Kohl, A., Miglbauer, M., & Narosy. (2016). Die Medienkompetenz der Lehrenden im
Zeitalter der Digitalität – Das Modell digi.kompP. Open Online Journal for Research and Education,
(6). Retrieved from https://journal.ph-noe.ac.at/index.php/resource/article/view/305
Buchner, J., & Schmidt, S. (Eds.). (2019). Flipped Classroom Austria – Und der Unterricht steht Kopf. Brunn
am Gebirge: ikon.
Fadel, C., Bialik, M., & Trilling, B. (2017). Die vier Dimensionen der Bildung: Was Schülerinnen und Schüler
im 21. Jahrhundert lernen müssen. (J. Muuß-Merholz, Trans.). ZLL21.
McQuiggan, S., Kosturko, L., McQuiggan, J., & Sabourin, J. (2015). Mobile Learning: A HAndbook for
Developers, Educators, and Learners. Hoboken: John Wiley & Sons.

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7. November 2019 Allgemein

Die Vorbereitungen für die Konferenz „Inverted Classroom and Beyond“ am 11. und 12. 2. 20 an der PH Niederösterreich (Campus Baden) laufen auf Hochtouren. Inzwischen konnte die großartige Zahl von 50 Beitragenden aus Dem DACH-Raum der Hochschule  sowie mehrere renommierte Keynotespeakerinnen gewonnen werden (siehe Programmübersicht).

Die Konferenz zeigt so auf, dass das Inverted Classroom Modell sich für alle Fachdisziplinen und Lehrveranstaltungsformate wertvolle Impulse bringen kann. Deutlich wird mit den vielfältigen Beiträgen auch die große Vielfalt an Methoden, die in Lehrveranstaltungen offline und online zum Einsatz kommen können, die am ICM ausreichtet sind.

Gleichzeitig bietet die Konferenz durch die große Vielfalt an Beiträgen wertvolle Impulse und Möglichkeiten, eigene Ideen und Konzepte für die Lehre sowie für die Hochschulentwicklung insgesamt weiter zu entwickeln. Es entstehen zudem nicht nur Räume für einen intensiven Erfahrungstausch, es können auch neue Kooperationen zwischen Hochschulen entstehen.

Melden Sie sich für die Konferenz an und bringen sich so intensiv wie möglich in das von- und miteinander Lernen ein. In den nächsten Wochen werden wir Videogespräche mit Referent*innen führen bzw. werden diese Vorbereitungsmaterialien und damit verbundene Impulse für die Vorbereitung zur Verfügung stellen. Es gibt auch ein Hotelkontigent, bitte rasch Zimmer buchen.

Wir freuen uns zudem, wenn Sie in Ihrem Umfeld auf diese spannende Konferenz hinweisen können.