Prof. Dr. Claude Müller Werder & Jennifer Erlemann (ZHAW) brachten bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 21 einen Workshop ein, bei dem ein Tool im Vordergrund steht, das Lehrende begleiten kann eigene E-Learningkurse bis hin zu MOOCs zu gestalten. Hier die eingesetzten Folien.

Als Rückblick auch dieses vor der Konferenz entstandene Video:

Die didaktische Konzeption und Gestaltung von Unterricht ist kein automatisierbarer  Prozess, sondern es handelt sich um einen gleichermaßen planerisch-konzeptionellen als auch operativ-gestalterischen Prozess (Reinmann, 2015). Um spezifische (Lern- )Ziele in einem bestimmten (Unterrichts-)kontext zu erreichen, treffen die Lehrenden  didaktische Entscheidungen, die zwar analytisch begründet sind, aber auch Kreativi tät erfordern. Dies kommt dem Design-Begriff, wie er in anderen Disziplinen ver wendet wird, sehr nahe (Laurillard, 2013). Die resultierenden didaktischen Designs sollen wie eine Art Drehbuch a) die Learning Outcomes und Inhalte beschreiben, b) ein Skript beinhalten, wie man die Designaspekte „Inhaltsvermittlung“, „Aktivie rung“, „Interaktion“ und „Assessment“ umsetzen will, und c) den Ablauf des Lehr Lernprozesses skizzieren. 

Gerade wenn Lehrende didaktische Designs für bisher unbekannte Unterrichtskon texte wie z.B. Blended Learning oder Online Learning entwerfen müssen, bieten De sign-Tools und -Prozesse eine entscheidende Unterstützungsleistung. Das in diesem  Beitrag vorgestellte Tool myScripting basiert auf einem solchen Design-Prozess,  welcher im Rahmen des Projekts „FLEX“ entwickelt wurde (siehe dazu Müller,  Stahl, Lübcke & Alder, 2016). Im Rahmen von sogenannten „Scripting-Workshops“  wurden Module von ganzen Studiengängen in ein Blended-Learning-Format trans formiert. Für die Dokumentation der Ergebnisse wurde eine eigene Systematik ent wickelt, welche sich an bestehenden Visualisierungssystematiken (z.B. Molina, Ju rado, de la Cruz, Redondo & Ortega, 2009) orientierte. In dieser Systematik wird das  didaktische Design der verschiedenen virtuellen und physischen synchronen und  asynchronen Lernphasen mittels unterschiedlicher Formen für Aktivitäten zur Informationsvermittlung, Aktivierung, Interaktion sowie Lernkontrolle dargestellt. Diese  analog durchgeführten Scripting-Workshops wurden in den letzten Jahren für ver schiedene Lehr-Lernformate (u.a. auch konventioneller Präsenzunterricht) und auch  für Lehr-Lernkontexte außerhalb von Hochschulen eingesetzt. Von den involvierten  Lehrenden wurde der entwickelte Design-Prozess als viabel eingeschätzt. Mit der Digitalisierung des Prozesses mit dem Tool myScripting sollte die Usability verbes sert und die adaptiven Supportmöglichkeiten erweitert werden. Die Usability verbessert sich mit myScripting gegenüber dem bisherigen analogen Prozess, weil sich die  entwickelten didaktischen Designs (siehe Abbildung 1) sowohl speichern, überarbeiten als auch kopieren lassen.

Weiter stellt das Tool adaptiv weitere Informationen zu den Lernaktivitäten oder  Templates zu zentralen didaktischen Konzepten wie Flipped Classroom, Problem based Learning oder direkte Instruktion zur Verfügung. Ebenfalls werden die Nutzer  mit der Analysefunktion beispielsweise bei der Ressourcenplanung oder dem ge wählten Set an Aktivitäten unterstützt. Zusätzlich können für das entwickelte didak tische Design ohne zusätzlichen Aufwand handlungsleitende rollenspezifische Outputs für den Lehr- resp. Lernprozess generiert werden. 

Und nicht zuletzt kann das Tool über die kollaborativen Funktionen des Teilens auch  das Erarbeiten und Durchführen von Unterricht im Team sowie die Reflexion über  didaktische Designs fördern. 

Link https://myscripting.zhaw.ch/

Literatur 

Laurillard, D. (2013). Teaching as a design science: Building pedagogical patterns for  learning and technology. New York: Routledge. 

Molina, A. I., Jurado, F., De La Cruz, I., Redondo, M. Á., & Ortega, M. (2009). Tools  to support the design, execution and visualization of instructional designs. In Y. Luo (Hrsg.): Cooperative Design, Visualization, and Engineering. S. 232–235. Berlin:  Springer.

Müller, C., Stahl, M., Lübcke, M., & Alder, M. (2016): Flexibilisierung von Studien gängen: Lernen im Zwischenraum von formellen und informellen Kontexten. Zeit schrift für Hochschulentwicklung, 11(4), S. 93–107. 

Reinmann, G. (2015). Studientext Didaktisches Design. Universität Hamburg.  https://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2018/07/Studientext_DD_Sept2015.pdf