Wie entwickeln sich unterrichtsbezogenes Wissen, themenspezifisches Interesse und die Lernmotivation von Lehramtsstudierenden in (e-)Inverted Classrooms – mit diesem Titel brachte sich ein tolles Team bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 2021 ein:

Prof. Dr. Ariane S. Willems & Katharina Dreiling M. Ed.von der Georg-August-Universität Göttingen, Institut für Erziehungswissenschaft, Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung mit dem Schwerpunkt Schul- und Unterrichtsforschung sowie Angelika Thielsch, Georg-August-Universität Göttingen, Hochschuldidaktik. Hier die Aufzeichnung ihres PechaCuacha Inputs sowie die Folien beim Future of ICM – PechaCucha (zusammenfassende Doku der Session). 

Ergänzend das vor der Konferenz entstandene Video:

Zukünftige Lehrkräfte sollen in der universitären Ausbildung praxis- und forschungsbezogene Kompetenzen erwerben und lernen, diese im Sinne einer evidenzbasierten Schul- und Unterrichtsentwicklung wechselseitig aufeinander zu beziehen (KMK, 2019; Hartmann, Decristan & Klieme, 2016). Mit unserem Beitrag sollen das hieran ausgerichtete hochschuldidaktische Konzept sowie erste Befunde der wissenschaftlichen Begleitforschung des Projektes ‚Flip-ViU – Entwicklung eines Flipped Classroom zur Weiterentwicklung der videobasierten Unterrichtsreflexionskompetenz von Lehramtsstudierenden‘ vorgestellt und diskutiert werden. 

Im Rahmen des Projektes wurde ein ICM entwickelt, in dem Studierende Methoden der standardisierten Unterrichtsbeobachtung, -analyse und -reflexion erlernen (Handke, 2017; Willems, Dreiling, Meyer & Thielsch, 2020; Spannagel & Freisleben-Teutscher, 2016). Das Modell wird seit dem SoSe 2019 im Format eines Blockseminars implementiert und besteht aus mehreren Zyklen, in denen sich Phasen (i) der digitalen, asynchronen und selbstgesteuerten Inhaltsaneignung, (ii) der interaktiven, gemeinsamen, d.h. synchronen Vertiefung in Präsenz sowie (iii) dazwischengeschaltete, asynchrone, digital gestützte Übungs- und Assessmentphasen abwechseln. Für das coronabedingte vollständig digitale Wintersemester 19/20 wurde dieses Modell zu einem „e-ICM“ weiterentwickelt. In diesem werden die synchronen, interaktiven gemeinsamen Vertiefungsphasen in Präsenz als synchrone virtuelle e-Präsenzsitzungen angeboten. Diese werden wiederum dem klassischen ICM-Ansatz folgend durch die bereits bestehenden digital gestützten Selbstlernphasen sowie die digital gestützten Übungs- und Assessmentphasen flankiert.        

Der Beitrag knüpft an unseren Vortrag aus der ICM-Konferenz 2020 an (siehe diese Unterlagen). Zunächst werden die beiden didaktischen Varianten (ICM vs. e-ICM) vorgestellt. Daran anknüpfend werden erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung des Projektes FlipViU präsentiert, in deren Rahmen wir die Wirksamkeit des ICM auf die Entwicklung motivationaler, affektiver und kognitiver Merkmale von N = 207 Studierenden in einem quasi-experimentellem Prä-Post-Kontrollgruppendesign untersucht haben. Eigens für das Projekt wurden dazu standardisierte Fragebögen und Wissenstest für Studierende entwickelt und zu drei Messzeitpunkten (vor Beginn des Seminars, während des Seminars und unmittelbar nach Beendigung des Seminars) eingesetzt. Die erhobenen Daten erlauben auf Grund der inhaltlichen und formalen Standardisierung der Lehrveranstaltungen nicht nur einen Vergleich zwischen ICM und Kontrollgruppe, die die identischen Inhalte in einem klassischen Blockseminar vermittelt bekommen, sondern auch einen ersten Vergleich zwischen den beiden didaktischen Varianten des ICM (ICM vs. e-ICM).     

 

Handke, J. (2017). Gelingensbedingungen für den Inverted Classroom. In S. Zeaiter & J. Handke (Eds.). Inverted Classroom – The Next Stage. Konferenzband zur 6. ICM Fachtagung in Marburg 2017 (pp.1-13). Baden-Baden: Tectum. 

Hartmann, U., Decristan, J., & Klieme, E. (2016). Unterricht als Feld evidenzbasierter Bildungspraxis?: Herausforderungen und Potenziale für einen wechselseitigen Austausch von Wissenschaft und Schulpraxis. ZfE, 19(1), 179–199.

KMK (2019). Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften. Berlin: KMK. 

Spannagel, C., & Freisleben-Teutscher, C. F. (2016). Inverted classroom meets Kompetenzorientierung. In C. Freisleben-Teutscher, J. Haag, J. Weißenböck & W. Gruber (Eds.). Kompetenzorientiertes Lehren und Prüfen (pp. 59-69). Brunn: ikon.

Willems, A.S., Dreiling, K., Meyer, K. & Thielsch, A. (2020). Inverted Classrooms zur Förderung von forschungs- und praxisbezogenen Kompetenzen in der Lehrer*innenbildung. In G. Brandhofer, J. Buchner, C. Freisleben-Teutscher & K. Tengler (Eds.). Tagungsband zur Tagung Inverted Classroom and beyond 2020 (pp. 274-294). Norderstedt: Books on Demand.