Michael Fuchs und Maria Haas von der TU Graz wenden sich dem Thema zu, wie sich ICM auch mit einer großen Zahl Studierender umsetzen lässt bei der #icmbeyond20 Konferenz Inverted Classroom and Beyond am 11. & 12. 2. an der PH Niederösterreich (Baden) ein. Dazu zunächst ein Videointerview:

Studierende können oft schwer einschätzen, welche grundlegenden Fertigkeiten in ihrem späteren Berufsleben von ihnen verlangt werden. Daher ist es wichtig, dass sie in der Lage sind, Grundprinzipien (z.B. Grundlagen der Elektronik) in späteren Semestern sowie im Berufsleben zu verinnerlichen, um sie entsprechend einsetzen zu können.
Damit die wichtigsten Inhalte des Studiums für Studierende auch im späteren Leben stets abrufbar sind, haben Dozenten des Institutes für Elektronik an der TU Graz in den vergangenen Jahren verschiedene Video-Tutorials erstellt. Die Videos stehen als Open Educational Resources zur Verfügung, sind damit also offen lizenziert und können über YouTube aufgerufen werden. In den Videos werden jene grundlegenden Prinzipien der Elektronik behandelt, die zum Verständnis elektronischer Schaltungen unbedingt erforderlich sind.
Konzept Rund 300 Studierende besuchen jedes Jahr die Vorlesung „Elektronische Schaltungstechnik 2“. Bisher fand diese als lehrendenzentrierte Vorlesung mit Multimedia-Unterstützung statt. Im Rahmen eines Projekts wird die Lehrveranstaltung nun im WS 2019/2020 das erste Mal nach dem Inverted Classroom Modell (ICM) durchgeführt. Dabei werden drei Einheiten der Lehrveranstaltung „geflippt“ abgehalten.
Mit Hilfe des Tools H5P werden die Videos auch interaktiv gestaltet und zur LV-Vorbereitung für Studierende bereitgestellt. Dadurch sollen diese dazu angeregt werden, beim Ansehen der Videos aktiv mitzudenken und die eigenen Wissenslücken zu erkennen. In der ICM-Präsenzveranstaltung werden hauptsächlich praktische Beispiele behandelt, kleine Rechen- und Rechercheaufgaben durchgeführt sowie auf speziellen Fragestellungen eingegangen. Dadurch wird die Unterrichtszeit an die Bedürfnisse der Studierenden angepasst. Ziel ist es, dass die Studierenden die wichtigsten Grundlagen verstehen und auch jederzeit wiederholen können.
Die vorhandenen Videos und Inhalte, sowie die gewonnenen Erkenntnisse aus der LV, sollen in die Erstellung eines MOOC (Massive Open Online Course) auf der Plattform iMooX einfließen. Dieser soll mit Sommersemester 2020 an den Start gehen.

Umsetzung
In der Pilotphase im WS 2019/2020 werden drei Vorlesungseinheiten nach dem ICM durchgeführt und ausgewertet. Die LV wird dabei von einem Instructional-Design-Team didaktisch begleitet. Basierend auf den Ergebnissen der Pilotphase sollen zukünftig größere Teile oder die gesamte Vorlesung nach dem ICM durchgeführt werden. Weiters werden Guidelines erarbeitet, welche Lehrpersonen im Hochschulbereich bei der Implementierung des ICM in ihrer Lehre unterstützen sollen.

Evaluierung
1. Audience-Response-Systeme: Studierende können während jeder Einheit anonym Feedback geben.
2. Evaluierungs-Fokusgruppe: Die Fokusgruppe setzt sich aus freiwilligen Teilnehmer*innen zusammen, die spezifischen Fragen zum Lehrkonzept beantworten und ihre persönlichen Erfahrungen mit dem neuen Modell einbringen können.
3. Hospitation der LV: Das Instructional-Design-Team begleitet die LV.
Co-Creation: Studierende entscheiden selbst mit, wie die jeweilige Lehrveranstaltungseinheit abgehalten werden soll um sie bestmöglich zu unterstützen.
4. Self-Assessment: Die Ergebnisse der Zwischenfragen in den interaktiven Videos, sowie speziell konzipierte Online-Selbsttests (Probeprüfungen) werden ausgewertet.
5. Lehrveranstaltungsevaluierung: Wie üblich am Ende des Semesters. Auch hier werden spezifische Fragen zum didaktischen Konzept gestellt.
6. Prüfungsergebnisse: Die Durchschnittsnote von 2,892 soll verbessert und der Anteil an negativen Prüfungen (aktuell 20,43%) soll reduziert werden.