#icmbeyond21 – Das Konzept der Serie auf Lehrveranstaltungen anwenden

7. Januar 2021 icmbeyond21

Mag. Dr. Jutta Pauschenwein & Mag. Wolfgang Kühnelt (FH Joanneum) knüpften an den Tag der Lehre 2020 an der FH  St. Pölten ein und gestalten bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 2021 einen Beitrag, bei dem es noch intensiver darum ging, wie sich Gestaltungselemente typischer Serien auf das didaktische Design von Lehrveranstaltungen an wenden lässt.

Hier einige Notizen aus dieser Session:

  • Serienkonzept umgesetzt muss nicht hunderprozentig als Ergebnise “Gelecktes” hochpoliert haben, darf auch Ecken und Kanten haben
  • Cliffhanger gestalten, dranbleiben an einer LV als Lehrende und Lernende
  • Serie braucht min 4 Episoden: z. B. Video, plus 3 Podcasts die aufeinander Bezug nehmen, roter Faden. Verträgt sich gut mit imanenten Prüfungscharakter
  • Reihe statt Serie: Ähnliche Signation, ähnlicher Aufbau, roter Faden! ZB bei Ringvorlesung.
  • Comics zu Lehrinhalten als Serie
  • Serien nach innen, leichter quick und dirty als nach “Serien” die nach außen hin gehen und scheinbar “unprofessionsell” sind
  • Frage der “Ausstattung” – was ist im “Raum” von Serien zu finden (auch Alltagsgegenständen)
  • Ergänzender Literaturhinweis

Ergänzend dieses vor der Konferenz entstandene Videointerview:

Für Teilnehmende am DisqSpace bei der Konferenz haben die beiden die folgenden Vorbereitungsfragen entwickelt ausgehend auch von dieser Folie und den unten folgenden Infos zum Konzept der Serie:

Fragestellung 1: Falls Sie selbst Serien konsumieren, reflektieren Sie bitte nach der jeweiligen Episode: Welche der genannten Serienelemente identifizieren Sie? (vgl. Folie „Vier Elemente“) Fallen Ihnen noch weitere Elemente ein oder auf? Warum mögen Sie diese Serie? Was mögen Sie weniger oder gar nicht? Wie viele Folgen haben Sie bereits gesehen? Notieren Sie Ihre Überlegungen, wo und wie immer Sie möchten und bringen Sie sie mit zu unserer Session im DisQspace.

Fragestellung 2: Diskutieren Sie das Thema Serien in Ihrem privaten und/oder beruflichen Umfeld und überlegen Sie, welche Ihrer Lehrveranstaltungen, Trainings, Workshops oder Vorträge Potenzial für eine Serie hätte.

Hören Sie den Podcast (Episode 1_1 netzwerkerweiterung: https://www.dienetzwerkerinnen.at/blog/2020/10/23/warum-wieder-eine-serie/#more-1011) und überlegen Sie, auf welchem Medium oder mit welchem Medienmix Sie Ihre Serie ausstatten würden. Bringen Sie Ihre konkreten Ideen zum DisQspace mit.

Weitere Hintergründe zum Konzept der Serie:

Fast alle schauen Serien. Nach Christian Blümelhuber, Lehrender zu strategischer Unternehmenskommunikation an der Universität der Künste Berlin, ist eine Serie die Variation des Immergleichen [1]. Verwendet man dieses Bild, ist unser (Lehr-)Alltag voller Serien. Doch wie kann ein Unterricht, der mehrmals im Semester stattfindet, zu einer Serie ausgebaut werden? Leicht umzusetzen war im Corona-Semester 2020 die Serie der #didaktischenkleinigkeiten, welche Trainer*innen, Lehrende und Studierende mit Online-Lernszenarien vertraut machte [2]. Auch erste Implementierungen von Serienelementen in Lehrveranstaltungen wurden versucht [3].

Aufbauend auf dem Feedback von KollegInnen im Rahmen von Workshops und Tagungen wird im Wintersemester 2020/21 strukturierter an den Einsatz der Serie im Unterricht herangegangen. Insbesondere eine Lehrveranstaltung im Bachelor-Studiengang Journalismus und PR ist vollständig dem Konzept der Serie unterworfen [4]. Der Einsatz der Serie im Unterricht wird kontinuierlich reflektiert, die Motivation der Studierenden wird beobachtet und die studentischen Aktivitäten sind einem Monitoring unterworfen. Erfahrungen und offene Fragen werden mit den TeilnehmerInnen der Tagung geteilt.

Im Workshop stehen der Austausch und das Entdecken von Neuem im Mittelpunkt.

 

[1] Alles Serie oder was? Die 3. Idee im Marketing: Christian Blümelhuber at TEDxKoeln

https://www.youtube.com/watch?v=WeRvDTVM7gY

[2] Zwei Staffeln mit jeweils 9 Episoden im Rahmen des Laura Bassi Projekts #dienetzwerkerinnen https://www.dienetzwerkerinnen.at/blog/category/didaktischekleinigkeiten/ 

[3] Pauschenwein Jutta, Kühnelt Wolfgang (2020). Das Format der Serie im Unterricht und im Training. In Weißenböck, Josef / Gruber, Wolfgang / Freisleben-Teutscher, Christian (Hg.): „Digital Learning in Zeiten von Corona – nachhaltiger Entwicklungsschub für die Hochschulen? Beiträge zum 9. Tag der Lehre an der FH St. Pölten am 22. Oktober 2020. St. Pölten, Lemberger Publishing, 2020. S. 141 – 152.

[4] Twitterpraxis 2020 – Episode 2. https://oer.fh-joanneum.at/zml/wp-content/uploads/2020/10/Twitterpraxis_episode2_2020.mp3

Jutta Pauschenwein: Leitung des „ZML – Innovative Lernszenarien“ der FH JOANNEUM und Lehre am Institut „Journalismus und PR“

Wolfgang Kühnelt: Senior Lecturer am Institut „Journalismus & PR“, nebenberuflich Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Pretty Commercial

#icmbeyond21 – inclass flip

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Mario Liftenegger, BAfEP Liezen, brachte bei der Konferenz Inverted Classrrom And Beyond 21 einen Workshop ein zu “Der „in class flip“ – Nutzung der Vorteile von ICM in allgemeinbildenden Gegenständen ohne Heimarbeitszeit”. Hier die eingesetzten Folien.

Als Rückblick auch dieses vor der Konferen entstandene Video:

Vor allem in Berufsbildenden Höheren Schulen mit Wochenunterrichtszeiten von weit über 30 Stunden, wird es von SchülerInnen, Eltern aber auch den meisten Schulleitungen nicht gerne gesehen, wenn LehrerInnen neue Unterrichtskonzepte wie ICM ausprobieren. Denn damit steigt, durch die zusätzliche Arbeitsphase zu Hause – die es in Gegenständen wie etwa Geschichte so gut wie nie gibt –, die Arbeitsbelastung für die SchülerInnen noch mehr an, was zwangsläufig zu Ablehnung führt. Doch was, wenn man die Vorteile von ICM dennoch nutzen möchte?

Hier kommt das Konzept des „in class flip“ zur Anwendung, das von Martha Ramirez beziehungsweise Catline Tucker eigentlich geschaffen wurde, wenn die SchülerInnen nicht über die nötige technische Ausstattung oder Selbstorganisation verfügen. Es ermöglicht den Einsatz von ICM Elementen in Unterrichtsgegenständen, in denen keine Schularbeiten geschrieben werden, innerhalb der regulären Unterrichtszeit. So können auch Unterrichtsgegenstände, in denen aus welchen Gründen auch immer eine Auslagerung von Inhalten nach Hause nicht möglich oder nicht erwünscht ist, von den Vorteilen von ICM profitieren.

In diesem Workshop hatten die TeilnehmerInnen nach einer Vorbereitungsphase zu Hause, wo die wesentlichsten Grundlagen des „in class flip“ erläutert werden, selbst dieses Konzept ausprobieren. Anschließend wird das Erlebte kritisch reflektiert.

 

Literatur:

Gonzalez, Jennifer. Modifying the Flipped Classroom: The “In-Class Flip. In: Edutopia. https://www.edutopia.org/blog/flipped-classroom-in-class-version-jennifer-gonzalez (9.8.2020).

Ramirez, Martha. What’s an in-class flip? In: Martha Ramirez Blog. http://martharamirez.com.co/blog/whats-an-in-class-flip/ (9.8.2020).

Tucker Catlin, In-Class Flip: The Flipped Classroom Meets the Station Rotation Model. In: Catlin Tucker. https://catlintucker.com/2016/01/inclassflip/ (9.8.2020).

Bankhofer Alicia, Der „In-Class Flip”: Projektorientierter Englischunterricht mit Flipped Classroom. In: Buchner Josef, Schmid Stefan (Hrsg.), Flipped Classroom Austria. …und der Unterricht steht Kopf. 2018 Brunn am Gebirge. S 59-64.

#icmbeyond21 – EduScrum in ICM-Lehrveranstaltungen

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Prof. Dr. Karsten Morisse (HS Osnabrück) brachte  einen Workshop zur Konferenz Inverted Classroom and Beyond 21 zu Optionen des Einsatzes von EduScrum in am Inverted Classroom Modell ausgerichteten Lehrveranstaltung ein. Hier die https://www.hs-osnabrueck.de/prof-dr-karsten-morisse/.

Als Rückblick auch dieses vor der Konferenz entstandene Videointerview:

EduScrum setzt die aus der Software-Entwicklung und dem Projektmanagement bekannte Scrum-Methodik in der Lehre um. Scrum ist ein Rahmen für die Entwicklung komplexer Produkte. Es wird durch ein schrittweises, zyklisches Vorgehen getragen und besteht aus drei zentralen Säulen Transparenz, Überprüfung und Anpassung. EduScrum ist ein ko-kreativer Prozess, in dem die Lernenden nicht mehr in die Verantwortung genommen werden, sondern sich für ihren eigenen Arbeits- und Lernprozess verantwortlich fühlen.

Im Workshop wurden die grundlegenden Elemente von EduScrum in Beziehung zum Inverted Classroom Modell gesetzt und die sich daraus ergebenden Chancen diskutiert.

Links

https://www.digll-hessen.de/2020/06/02/eduscrum-von-analog-zu-digital/

https://www.eduscrum.nl/img/The_eduScrum_Guide_German_2.pdf

#icmbeyond21 – Warum virtuelle Präsenz uns nicht weiter bringt

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Isabell Grundschober BEd, BSc, MA und Prof. Dr. Stefan Oppl (Donau Universität Krems) brachten sich mit einem Beitrag zur reflektierten Nutzung digitaler Tools bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 21 ein. Hier der aufgezeichnete Input des DiskursForums, die eingesetzten Folien, sowie eine umfassende Dokumentation der Session, die dankenswerter Weise Gottfried Csanyi (TU Wien) erstellt hat.

Ergänzend dieses im Vorfeld der Konferenz entstandene Videogespräch:

In der Phase der spontanen Umstellung auf Online-Betrieb wurde durch das Konzept der “virtuellen  Präsenz” versucht, existierende, für Präsenzunterricht bewährte didaktische Konzepte mit den spontan  verfügbaren Online-Plattformen zu imitieren. Während dies als eine adäquate Reaktion auf die radikal  geänderten Rahmenbedingungen zu Beginn der COVID-Krise betrachtet werden kann, ist die  Fortschreibung diese Praktiken ob ihrer offensichtlichen Nachteile (“Zoom Fatique”, Exklusion von  Lernenden mit mangelhafter Arbeitsplatzausstattung, etc.) problematisch.

Die passende Wahl von  digitalen Werkzeugen, Plattformen und ihren Funktionen zur Unterstützung eines didaktisch  informierten Online-Unterrichts erfordert eine strukturierte Analyse von Lern- und Lehraktivitäten. Die  Media-Synchronicity Theory (MST) kann dabei als nützliches Analyse-Instrument für eine fundierte  Entscheidung dienen. Im Beitrag zeigten wir anhand von Beispielen im Modul “Bildungstechnologie”  des Lehrgang eEducation an der Donau-Universität Krems, wie die MST zur Identifikation adäquater  Unterstützungswerkzeuge für unterschiedliche didaktische Designs im Distance Learning angewandt  werden kann und zeigen, wo dbzgl. die Potentiale und Risiken für die Lehrpraxis liegen.

#icmbeyond21 – Gamebooks, Simulationen und mehr mit twine

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Richard Hahn, BBRZ brachte sich bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 21 mit einem Workshop mit der interaktiven Software twine ein.

Dazu als Rückblick zunächst das vor der Konferenz entstandene Videogespräch:

Gamebooks, andere Formen von interactive fiction sowie Mikro-Simulationen können auch zur Wissensvermittlung bzw. zur spielerischen Auseinandersetzung mit (Mikro-)Lerninhalten eingesetzt werden.

Dabei kommen Effekte wie Selbstbestimmung, intrinsische und extrinsische Motivation sowie zeitliche und örtliche Flexibilität zum Tragen, ebenso werden Kreativität und Problemlösungskompetenz gefördert. Neben den eigentlichen Inhalten werden – je nach tragender Story – auch verschiedene persönliche bzw. soziale Kompetenzen trainiert.

Mit der quelloffenen und kostenlosen Software twine ist es möglich, selbst digitale Gamebooks zu erstellen, die als .html-Dateien auf internetfähigen Endgeräten lauffähig sind. Mit Basiskenntnissen in HTML und CSS sowie der Bereitschaft, sich mit Grundkonzepten der Programmierung (Datentypen, Variablen, Fallunterscheidungen, Schleifen, etc.) auseinanderzusetzen, kann jede/r zur Autorin bzw. zum Autor attraktiver Gamebooks bzw. Mikro-Simulationen mit unterschiedlichen Graden der Komplexität werden.

In flipped-classroom-Settings ergeben sich so interessante Möglichkeiten für die Nutzung von twine: So können zum einen Lehrende Gamebooks oder Mikro-Simulationen erstellen, um Lernende für ein Thema zu sensibilisieren bzw. auch die möglichen Folgen verschiedener Entscheidungen in einem geschützten Rahmen beobachten zu können. Zum anderen können auch Lernende selbst individuell oder kollaborativ Inhalte mit twine produzieren, um sich so (spielerisch) einem Themengebiet zu nähern und gleichzeitig Grundkonzepte der Programmierung kennen zu lernen.

Im Rahmen des Workshops werden zunächst anhand mehrerer Beispiele die Möglichkeiten von twine zur Darstellung verschiedener Inhalte und Interaktionsformen betrachtet, um danach auf die theoretischen Grundlagen einzugehen: Für ein gelungenes digitales Gamebook sind abgesehen vom Design noch andere Faktoren wie Story und Spielmechanismen ausschlaggebend. Eine tragende narrative Struktur sorgt für die emotionale Bindung der Lernenden und stellt sicher, dass sie sich noch länger an das Gamebook und seine Inhalte erinnern. Unterschiedliche Spielmechanismen schaffen extrinsische und intrinsische Motivation und geben den Lernenden Feedback auf ihren Spiel- und damit Lernerfolg.

Danach wird im Rahmen einer live coding session ein kurzer Prototyp mit twine erstellt, wobei die Teilnehmer*innen Gelegenheit zur aktiven Mitgestaltung haben bzw. parallel zum Workshop die Software, die ohne Registrierung im Browser läuft, selbst ausprobieren können.

Aufgrund dieser ersten Erfahrungen können am Ende noch Ideen für unterschiedliche didaktische Einsatzmöglichkeiten von twine im Hochschulkontext entwickelt werden.

Links:

https://twinery.org/

https://www.vcrp.de/digitale-lehre/tools/twine/

https://www.tu-braunschweig.de/lehreundmedienbildung/unser-angebot/medien-und-infrastruktur/tools-fuer-die-lehrgestaltung/game-based-learning#c276749

https://digitale-spielewelten.de/methoden/twine-als-werkzeug-der-medienpadagogik/164

#icmbeyond21 – Virtual Enhanced Inverted Classroom

23. Dezember 2020 icmbeyond21

Prof. Dr. Christoph Schärtl (SRH Hochschule Heidelberg) brachte sich mit einem spannenden Entwicklungsansatz bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 2021 ein. Dazu hat er auch einen Beitrag bereits publiziert (Schärtl, C. (2020). Notwendigkeit einer digitalen Transformation des Rechtsunterrichts – Virtual Enhanced Inverted Classroom (VEIC) und Constructive Alignment 4.0 als Lehren aus der COVID-19 Pandemie. ZDRW 4/2020, DOI: 10.5771/2196-7261-2020-4-280). Weiters hat er auch ein Erklärvideo erstellt. Hier noch ein Foliensatz, der nicht zum Einsatz kam und sehr inspirierende Ergänzungen enthält.

Noch ein Videogespräch, dass wir im Vorfeld geführt haben:

“Kernthese meines Beitrags war, dass sich gerade Inverted-Classroom-Formate besonders gut eignen, um  auch während Corona-Zeiten bestmögliche Lernerfolge zu gewährleisten. Idealiter sollte der Unterricht  dabei in drei Lehr-/Lernphasen mit jeweils unterschiedlicher didaktischer Funktion unterteilt werden (sog.  „Enhanced Inverted Classroom“-Modell im Gegensatz zum klassisch zweistufigen Inverted Classroom Format):

Besonderes didaktisches Augenmerk verdienen in rein digitalen Settings die unmittelbaren Kontaktzeiten  mit dem Dozenten („Live-Sessions“): Deren tradierte Stärken sind – neben dem Einsatz aktivierender  Lehr-/Lernmethoden und ihrem Fokus auf Methodik und Kompetenzanwendung – die für Live-Formate  typische spontane Interaktion mit unmittelbarem, auf die individuellen Lernbedürfnisse abgestimmtem Feedback sowie die mannigfaltigen non-verbalen, informellen Kontakte zwischen Lehren und Lernenden,  aber auch innerhalb der jeweiligen Peer-Group. Letztere ermöglichen nicht nur ein Modelllernen im Sinne  des Cognitive Apprenticeship-Konzepts, sondern eröffnen zugleich einen „sozialen Lernraum“ (social  learning space). Dieser sorgt einerseits für eine Rhythmisierung des Alltags und damit eine – schon aufgrund des neurobiologischen Priming-Effekts wichtige – Lernfokussierung. Andererseits trägt er dem  menschlichen Grundbedürfnis nach sozialer Interaktion (Mensch als „zoon politikon“ [ζῷον πολιτικόν]) Rechnung und leistet damit gerade für Studierende / Schüler eine wichtige gesellschaftliche Integrationsfunktion, deren Fehlen während der Corona-Krise zum häufig beklagten „social distancing“ führte. 

Das von mir entwickelte Konzept des „Virtual Enhanced Inverted Classroom“ (VEIC) greift diese Überlegungen auf und gibt Ideen für eine didaktisch sinnvolle, methodisch aufgearbeitete Ausgestaltung digitaler Live-Sessions in der Unterrichtspraxis. Gleichzeitig erweitert es die Idee des Constructive Alignments,  indem es die Lernumgebung und damit die soziale Dimension des Lernens in den Blick nimmt und die  Auswahl der Lehr- / Lernformate danach ausrichten („Constructive Alignment 4.0“):

Ziel war – und das ist sehr gut gelungen – im gemeinsamen Tun weitere geeignete Methoden  und Lehr- / Lerninstrumente zu identifizieren, welche auch im digitalen Lernraum die notwendigen sozialen Interaktionen eröffnen und die Kontaktphase des (Enhanced) Inverted Classroom zu einem „Digital  Social Learning Space“ erweitern. Idealiter könnte sich hieraus am Tag 2 ein interdisziplinäres, interinstitutionelles Forschungsprojekt entwickelt. Mein persönliches Ziel wäre hierbei – neben einer kritischen  Reflektion und Weiterentwicklung meines Modells und einem interkollegialen Erfahrungsaustausch – insbesondere auch dessen praktische Evaluierung in unterschiedlichsten Lehr- / Lernkontexten, um zukünftige didaktische Forschungen hierzu auf eine breitere Datenbasis zu stellen.”

 

RA Prof. Dr. jur. habil. Christoph Schärtl (LL.M.), SRH Hochschule Heidelberg: Bürgerliches Recht, Deutsches und Europäisches Handels- und Gesellschaftsrecht, Wirtschaftsrecht, IPR, Deutsches und Internationales Zivilverfahrensrecht; Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften / School of Social and Legal Sciences

#icmbeyond21 – Onboarding für Neustudierende im Corona-Jahr 2020

22. Dezember 2020 icmbeyond21

Prof. Dr. Katja Wengler (DHBW Karlsruhe (D)), Judith Hüther & Linda Lichel  (Fachhochschule Graubünden (CH)), brachten sich bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 2021 einen höchstspannenden Beitrag in Form eines Workshop ein. Hier die eingesetzten Präsentationsfolien.

Als Rückblick auch dieses vor der Konferenz entstandene Video:

Die wesentlichen Faktoren beim Lernen wie Feedback, soziale Eingebundenheit, Motivation und  Kommunikation, lassen sich nur unterschiedlich leicht in den virtuellen Online-Modus übertragen.  Insbesondere für Neustudierende an Präsenzhochschulen spielt die persönliche, direkte  Kommunikation, Kennenlernen und sozialer Austausch eine zentrale Rolle für das Commitment und  Start in ein Studium.  

« Das Campusleben wird durch die Digitalisierung jedoch nicht ersetzt.» Das bestätigt auch die  aktuelle Studie des Stifterverbands in Zusammenarbeit mit McKinsey & Company, Inc..  «Studierende honorieren zwar die Reaktionsschnelligkeit der Hochschulen; gleichzeitig sinkt die  Zufriedenheit mit der Lernerfahrung im Vergleich zum Wintersemester (85 Prozent) im  Sommersemester jedoch auf einen Anteil von 51 Prozent. Gründe dafür finden sich unter anderem  im mangelnden Sozialleben unter Studierenden, in Motivations- und Konzentrationsproblemen beim  Lernen zuhause sowie in unzureichenden Austauschmöglichkeiten mit Lehrenden.» 

Im Distance Learning Modus an der DHBW sowie FHGR wurden im Sommer 2020 systematische  Ansätze verfolgt, um das sogenannte Onboarding für Studierende im Online-Modus zu unterstützen.  

Ziele der Aktivitäten und spielerischen Aufgaben waren die Stärkung des Wir-Gefühls, Teambuilding,  Feedback-Kultur zu erleben und Motivation für das Studium herzustellen bzw. aufrecht zu erhalten. Damit einher gehen spielerische Elemente wie spontane Challenges, Verlosungen oder einer  gemeinsamen Playlist. Weitere Kreativaufgaben, Quizzes oder gemeinsame virtuelle ‘Business  Lunches’ ergänzen das Spektrum.  

Das Ankommen im digitalen Raum funktioniert am besten, wenn es körperlich, geistig, sozial und  emotional passiert. Hier ein kleines Beispiel: „Holen Sie einen Gegenstand, der Sie ausmacht?“ (1  min) – dieser wird dann in die Kamera gehalten und in einem Satz erklärt (z.B. alle halten den  Gegenstand gleichzeitig in die Kamera und einzelne Studierende werden gefragt (ca. 4 min) nach der  Pause oder während der Vorlesung kommen weitere dran usw.). 

Körperlich – Studierende holen etwas und setzen sich bewusst wieder an den Computer – Geistig – sie müssen sich überlegen, welchen Gegenstand sie holen und was sie zu dem  Gegenstand sagen möchten 

Sozial – Sie und die Studierenden lernen sich näher kennen und bauen eine emotionale  Bindung auf 

Emotional – Es gibt etwas zu lachen, ich höre etwas Interessantes etc. 

Die hauptsächlich genutzten Werkzeuge für diese Massnahmen, waren neben den  Videoconferencing-Systemen noch Slack, Mural-/ BBB-/ conceptboard- Whiteboards sowie die  Lernplattform Moodle eingebunden.

Der Workshop bietet intensiv die Gelegenheit, diese Methoden zur Stärkung des Gruppengefühls und  der Semestergemeinschaft zu erproben und selbst zu erleben. Im Anschluss werden die Eindrücke  aus der Gruppe gesammelt und diskutiert. Die Referentinnen werden zum Schluss ihre Empfehlungen  für Dos und Don’ts mit der Gruppe teilen. Dieser Workshop ist für alle Kolleginnen und Kollegen  interessant, die Anregungen für die Interaktion mit Studierenden im virtuellen Setting suchen.

#icmbeyond21 – Kinder und Jugendliche als Digital natives?

21. Dezember 2020 icmbeyond21

Sabrina Zeaiter MA, und Patrick Heinisch (Philipps Universität Marburg) brachten sich bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 2021 zur spannenden Frage ein, ob Kinder und Jugendliche tatsächlich “automatisch” Digital Natives sind. Hier die Aufzeichnung des Inputs beim DiskursForum, die eingesetzten Folien, sowie eine umfassende Dokumentation der Session, die dankenswerter Weise Gottfried Csanyi (TU Wien) erstellt hat.

Dazu ergänzend dieses vor der Konferenz entstandene Videogespräch

“Die im Titel gestellte Frage möchte ich gerne ganz provokant mit NEIN beantworten. Etwas  differenzierter betrachtet, müsste man sich zuerst die Frage stellen, was wir eigentlich unter  dem Begriff Digital Natives verstehen, also was ist der semantische Bedeutungsrahmen, den  wir zugrunde legen? Darüber hinaus muss man heutzutage auch zwischen der Bedienung verschiedener digitaler Endgeräte unterscheiden. Macht es einen bereits zu einem Digital  Native, wenn man sein Smartphone oder Tablet alltagstauglich bedienen kann oder gehört  dazu schon mehr? Welche (basis) Kompetenzen benötigt man für eine Digital Fluency? 

Am Beispiel des mediendidaktischen Workshop-Angebots Robotikum für Schülerinnen und  Schüler (SuS) soll dieses Problemfeld näher betrachtet werden. Dieser Kurs setzt  Basiskompetenzen im Umgang mit dem Computer voraus, die viele der heutigen SuS leider  nicht oder nur ungenügend aufweisen, basierend auf den dreijährigen Erfahrungen aus mehr  als 30 Robotika mit nahezu 500 Teilnehmenden. Der Beitrag wird den IST-Stand aus unserer Workshop-Erfahrung mit SuS von Klasse 5 bis 13 vorstellen und darlegen, wie dieser  festgestellte Kompetenzmangel im Kurs adressiert wird und welchen Beitrag das Robotikum  leisten kann, um den Kompetenzrahmen der Teilnehmenden zu erweitern. 

Beim Robotikum handelt es sich um einen Workshop, der SuS in den MINT-Bereich mittels  einer niederschwelligen visuellen Blockprogrammierung und humanoiden Robotern des Typs  NAO (Softbanks Robotics) einführt. Die Zielgruppe beschränkt sich nicht nur auf SuS mit  einem intrinsischen Interesse an Technik und Informatik, sondern ist breit gefächert, setzt  keine Vorkenntnisse im Programmieren voraus und zielt insbesondere auf Mädchen sowie SuS, die den MINT-Sektor noch nicht als Interessensgebiet entdeckt haben.  

 

Literatur:

Zeaiter (2020) RoboPraX – MINT-Förderung in Schulen, IN S. Zeaiter & J. Handke (Hrsg.)  Inverted Classroom – Past, Present & Future, Kompetenzorientiertes Lehren und Lernen im  21. Jahrhundert, Baden-Baden: Tectum Verlag, S. 51-66. DOI: 10.5771/9783828874510-51.

#icmbeyond21 – Wissen, Interesse & Lernmotivation von Lehramtsstudierenden im ICM

18. Dezember 2020 icmbeyond21

Wie entwickeln sich unterrichtsbezogenes Wissen, themenspezifisches Interesse und die Lernmotivation von Lehramtsstudierenden in (e-)Inverted Classrooms – mit diesem Titel brachte sich ein tolles Team bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 2021 ein:

Prof. Dr. Ariane S. Willems & Katharina Dreiling M. Ed.von der Georg-August-Universität Göttingen, Institut für Erziehungswissenschaft, Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung mit dem Schwerpunkt Schul- und Unterrichtsforschung sowie Angelika Thielsch, Georg-August-Universität Göttingen, Hochschuldidaktik. Hier die Aufzeichnung ihres PechaCuacha Inputs sowie die Folien beim Future of ICM – PechaCucha (zusammenfassende Doku der Session). 

Ergänzend das vor der Konferenz entstandene Video:

Zukünftige Lehrkräfte sollen in der universitären Ausbildung praxis- und forschungsbezogene Kompetenzen erwerben und lernen, diese im Sinne einer evidenzbasierten Schul- und Unterrichtsentwicklung wechselseitig aufeinander zu beziehen (KMK, 2019; Hartmann, Decristan & Klieme, 2016). Mit unserem Beitrag sollen das hieran ausgerichtete hochschuldidaktische Konzept sowie erste Befunde der wissenschaftlichen Begleitforschung des Projektes ‚Flip-ViU – Entwicklung eines Flipped Classroom zur Weiterentwicklung der videobasierten Unterrichtsreflexionskompetenz von Lehramtsstudierenden‘ vorgestellt und diskutiert werden. 

Im Rahmen des Projektes wurde ein ICM entwickelt, in dem Studierende Methoden der standardisierten Unterrichtsbeobachtung, -analyse und -reflexion erlernen (Handke, 2017; Willems, Dreiling, Meyer & Thielsch, 2020; Spannagel & Freisleben-Teutscher, 2016). Das Modell wird seit dem SoSe 2019 im Format eines Blockseminars implementiert und besteht aus mehreren Zyklen, in denen sich Phasen (i) der digitalen, asynchronen und selbstgesteuerten Inhaltsaneignung, (ii) der interaktiven, gemeinsamen, d.h. synchronen Vertiefung in Präsenz sowie (iii) dazwischengeschaltete, asynchrone, digital gestützte Übungs- und Assessmentphasen abwechseln. Für das coronabedingte vollständig digitale Wintersemester 19/20 wurde dieses Modell zu einem „e-ICM“ weiterentwickelt. In diesem werden die synchronen, interaktiven gemeinsamen Vertiefungsphasen in Präsenz als synchrone virtuelle e-Präsenzsitzungen angeboten. Diese werden wiederum dem klassischen ICM-Ansatz folgend durch die bereits bestehenden digital gestützten Selbstlernphasen sowie die digital gestützten Übungs- und Assessmentphasen flankiert.        

Der Beitrag knüpft an unseren Vortrag aus der ICM-Konferenz 2020 an (siehe diese Unterlagen). Zunächst werden die beiden didaktischen Varianten (ICM vs. e-ICM) vorgestellt. Daran anknüpfend werden erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung des Projektes FlipViU präsentiert, in deren Rahmen wir die Wirksamkeit des ICM auf die Entwicklung motivationaler, affektiver und kognitiver Merkmale von N = 207 Studierenden in einem quasi-experimentellem Prä-Post-Kontrollgruppendesign untersucht haben. Eigens für das Projekt wurden dazu standardisierte Fragebögen und Wissenstest für Studierende entwickelt und zu drei Messzeitpunkten (vor Beginn des Seminars, während des Seminars und unmittelbar nach Beendigung des Seminars) eingesetzt. Die erhobenen Daten erlauben auf Grund der inhaltlichen und formalen Standardisierung der Lehrveranstaltungen nicht nur einen Vergleich zwischen ICM und Kontrollgruppe, die die identischen Inhalte in einem klassischen Blockseminar vermittelt bekommen, sondern auch einen ersten Vergleich zwischen den beiden didaktischen Varianten des ICM (ICM vs. e-ICM).     

 

Handke, J. (2017). Gelingensbedingungen für den Inverted Classroom. In S. Zeaiter & J. Handke (Eds.). Inverted Classroom – The Next Stage. Konferenzband zur 6. ICM Fachtagung in Marburg 2017 (pp.1-13). Baden-Baden: Tectum. 

Hartmann, U., Decristan, J., & Klieme, E. (2016). Unterricht als Feld evidenzbasierter Bildungspraxis?: Herausforderungen und Potenziale für einen wechselseitigen Austausch von Wissenschaft und Schulpraxis. ZfE, 19(1), 179–199.

KMK (2019). Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften. Berlin: KMK. 

Spannagel, C., & Freisleben-Teutscher, C. F. (2016). Inverted classroom meets Kompetenzorientierung. In C. Freisleben-Teutscher, J. Haag, J. Weißenböck & W. Gruber (Eds.). Kompetenzorientiertes Lehren und Prüfen (pp. 59-69). Brunn: ikon.

Willems, A.S., Dreiling, K., Meyer, K. & Thielsch, A. (2020). Inverted Classrooms zur Förderung von forschungs- und praxisbezogenen Kompetenzen in der Lehrer*innenbildung. In G. Brandhofer, J. Buchner, C. Freisleben-Teutscher & K. Tengler (Eds.). Tagungsband zur Tagung Inverted Classroom and beyond 2020 (pp. 274-294). Norderstedt: Books on Demand.

#icmbeyond21 – Interaktive Videos mit Edupuzzle

15. Dezember 2020 icmbeyond21

Sonja Thalmann (ACP) brachte  sich bei der Konferenz Inverted Classroom and Beyond, 23. & 24. 2. 21 online (Host FH St. Pölten) mit einem Workshop ein. Hier die eingesetzten Folien.

Dazu ergänzend dieses vor der Konferenz entstandene Videogespräch:

Sonja Thalmann hat inzwischen auch ein Vorbereitungsvideo für den Workshop erstellt.

Im Rahmen der Corona-Schulschließungen haben sich viele PädagogInnen erstmals mit  dem Modell Flipped Classroom beschäftigt und den Lernenden Videos zur Erarbeitung  neuer Unterrichtsinhalte zur Verfügung gestellt. Oft fehlten aber passende  Aufgabenstellungen dazu und es fiel Lehrenden schwer zu überprüfen, ob die Vorbereitung  für die synchronen Unterrichtsphasen wirklich erfolgte bzw. ob Inhalte auch verstanden  wurden. 

In diesem Workshop wird das Tool „Edpuzzle“ vorgestellt, mit dem Videos auf einfache  Weise interaktiv gestaltet und die Antworten der Lernenden eingesehen werden können. Im  Rahmen des Workshops erstellen die TeilnehmerInnen auf Basis eines bestehenden  Youtube-Videos zu einem aktuellen Unterrichtsthema ihr eigenes, interaktives Lernvideo.  Geliefert werden außerdem Tipps zu Apps bzw. Online-Plattformen, mit denen sie selbst  Lernvideos erstellen können.

Den TeilnehmerInnen dieses Flipped-Workshops wurde vorab das o. a. interaktives Edpuzzle Lernvideo mit folgenden Inhalten zur Verfügung gestellt: 

Welchen Mehrwert bietet Flipped Classroom für meinen Unterricht und welche Elemente  brauche ich dafür? 

Wie muss die Vorbereitungsphase gestaltet werden, damit sie gut auf die Präsenzphase  vorbereitet? 

Damit wurde der theoretische Input für den Workshop vorweggenommen. Zusätzlich erlebten  die TeilnehmerInnen gleich die Perspektive der Lernenden, indem sie ein mit Edpuzzle  erstelltes, interaktives Video bearbeiteten.